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25.09.2014

Deutschlands Pfandkreditgewerbe auf Zukunftskurs

Pfandkredit per Internet und die wachsende Zahl von gefälschten Schmuck und Uhren sind Schwerpunktthemen bei der Jahrestagung 2014 / Die Einführung von Basel III beflügelt die Geschäfte, nur der Goldpreisverfall um über 30 Prozent belastet die Bilanzen der deutschen Pfandleiher

Ulm - Den 230 privaten Pfandkreditbetrieben macht der Goldpreisverfall zu schaffen. Die deutschen Leihhäuser generieren heute 90 Prozent ihres Umsatzes über die Beleihung von Uhren und Schmuck. Die Talfahrt des Goldpreises um über 30 Prozent im vergangenen Jahr zwingt die Leihhäuser aber die Beleihungswerte hinterlegter Sicherheiten und damit die Kreditsummen zu senken. Nach Jahren des enormen Wachstums mit zum Teil zweistelligen Zuwachsraten war deshalb der Umsatz des Pfandkreditgewerbes 2013 und in den ersten Monaten 2014 rückläufig: Das Volumen der ausgegebenen Kredite sank 2013 von 700 Millionen Euro in 2012 auf 635 Millionen Euro 2013. "Angesichts des enormen Goldpreisverfalls halten sich die 9,6 Prozent Minus im überschaubaren Rahmen. Zumal sich seit Ende 2013 bereits wieder klare Stabilisierungstendenzen abzeichnen", sagte Joachim Struck, der Vorsitzende des Zentralverbands des Deutschen Pfandkreditgewerbes, am  25. September bei der ZdP-Jahrestagung in Ulm.

Ein weiterer positiver Trend im ersten Halbjahr 2014: Pfandkreditkunden sind zur Rückzahlung der gewährten Darlehen nicht verpflichtet. Trotzdem stieg die Zahl der Auslösungen der Pfänder nach Angaben des ZdP von 89,7 Prozent 2013 in den ersten sechs Monaten 2014 auf 90,4 Prozent, und liegt daher wieder über der seit Jahrzehnten bestehenden 90% Grenze.

Deutschlands Pfandleiher stehen - abgesehen von den wirtschaftlichen Risiken durch die Goldpreisschwankungen - aktuell vor einer Reihe "Innovationen beflügelnder Herausforderungen", so ZdP-Geschäftsführer Wolfgang Schedl. Dazu zählen der Trend zur Verlagerung des traditionellen Pfandleihgeschäfts ins Internet, aber auch die Probleme durch gefälschte Goldbarren, Uhren und Schmuck, vor allem aus Osteuropa und Fernost.

Gewerbe, Handwerk und Kleinbetriebe setzen auf den Pfandkredit
Hinzu kommt: Die Leihhäuser, früher oft als Bank des kleinen Mannes betrachtet, entwickeln sich gleichzeitig zunehmend zur Finanzierungsquelle für Kleinunternehmer, das Handwerk und den Mittelstand. Das erfordert in den Leihhäusern ganz neue Infrastrukturen, etwa bei der Einlagerung hinterlegter Pfandwerte. Auslöser für das Wachstum in diesem Bereich sind immer schärfere Kreditbestimmungen für die Banken. Eine Entwicklung, die sich durch die 2014 begonnene schrittweise Einführung von Basel III* in der nächsten Zeit nach Einschätzung von Struck nochmals beschleunigen wird.  

"Die ab 2014 nochmals verschärften Bedingungen für die Kreditvergabe werden die Banken zu immer restriktiverer Kreditvergabe zwingen", glaubt Struck. Dies treffe vor allem Kleinunternehmer. Für viele Selbständige, Existenzgründer oder auch Kleingewerbebetreiber ist es nach Erfahrungen des Zentralverbands mittlerweile sehr schwierig oder gar unmöglich, bei Finanzengpässen von ihrer Bank kurzfristig Überbrückungsdarlehen zu erhalten. "Selbst auf einen bescheidenden Startkredit von ein paar 1000 Euro wartet heute ein Existenzgründer oft viele Wochen", so der stellvertretende Verbandsvorsitzende Jochen Brauers.

Nach einer Bankstudie meiden mittelständische Unternehmen deshalb zunehmend die Finanzierung durch Bankkredite. 66 Prozent von 4000 befragten Unternehmen gaben an, dass sie etwaige Investitionen ohne die Hilfe von Banken durchführen wollen - trotz des historisch niedrigen Zinsniveaus. Selbst die Sparkassen hätten in einem internen Papier bereits davor gewarnt, durch Basel III ein Drittel des Kreditvolumens zu verlieren, so ZdP-Vorsitzender Struck. Mehr und mehr Selbständige und Handwerker wählen dem ZdP zufolge deshalb bereits heute, den Pfandkredit, um unkompliziert und innerhalb von Minuten Bargeld für kurzfristige Investitionen zu erhalten.

Der Pfandkredit geht online
Als Deutschlands älteste Verbraucherschutzverordnung garantiert die Deutsche Pfandleihverordnung den Pfandkreditkunden durch staatlich festgeschriebene Vorgaben Sicherheit bei Beleihung, Lagerung der Werte und der Rückzahlung von Pfandkrediten. Diese Verordnung macht es aber auch schwierig, das klassische und echte Pfandkreditgeschäft über das Internet abzuwickeln. Grundsätzlich sei dies aber möglich, urteilte jetzt das Bundesjustizministerium in einer Stellungnahme. "Wir sehen dieses Geschäft, das letztendlich dann über den Postversand der Sicherheiten funktioniert, noch skeptisch. Unseren Mitgliedern steht es aber frei, sich dieser Internetplattformen zu bedienen", so Joachim Struck. Allerdings müssten beim Einstieg in das Pfandkreditgeschäft per Internet die strengen Regeln der Pfandleihverordnung in jedem Fall eingehalten werden. "Die Deutsche Pfandleihverordnung ist eine der ältesten deutschen Verbraucherschutzvorschriften. Sie garantiert seit 1961 Sicherheit und Transparenz bei der Abwicklung eines Pfandkredits. Das gilt Insbesondere für die Pflichten des Pfandleihers zur ge- und versicherten Aufbewahrung des Pfands", so  ZdP-Geschäftsführer Schedl.

Der Verband verweist dabei aber auch auf die wachsenden Gefahren durch Internet-Kriminalität hin, denen die Banken und dann womöglich künftig auch das Pfandkreditgewerbe durch Verlagerung der Aktivitäten ins Internet ausgesetzt sind. "Kein anderes Land wird durch Computerkriminalität so geschädigt wie die Bundesrepublik. Die Cyberkriminalität sei deshalb auch ein Schwerpunktthema bei der diesjährigen Mitgliederversammlung in Ulm, so ZdP-Geschäftsführer Schedl.

Kampf gegen wachsende Flut von falschem Schmuck und Gold
Ebenfalls eine immer größere Herausforderungen für Deutschlands Pfandkreditbetriebe: Das deutsche Pfandkreditgewerbe sieht sich zunehmend als wichtige Säule im Kampf gegen die ständig wachsende Zahl von Fälschungen im Bereich von Luxusuhren, Goldschmuck, aber auch bei Goldbarren und Goldmünzen. "Weder Prägestempel in Goldschmuck noch Zertifikate für die angebliche Echtheit von eingeschweißten Goldbarren sind mittlerweile ein Garant für Echtheit", sagt ZdP-Vorsitzender Joachim Struck. Die deutschen Leihhäuser müssen heute immer aufwendigere Techniken zur Materialprüfung einsetzen, um sich vor immer raffinierter gefertigten Plagiaten zu schützen. Denn ob "goldene" Eheringe mit Kupferkern, angeblich weißgoldene, aber tatsächlich mit Bleikabeln gefüllte Versace-Halsketten, mit Wolfram auf exaktes Goldgewicht gebrachte Goldbarren: Die Tricks der Fälscher werden immer raffinierter.

"Die Pfandkreditbetriebe haben sich mit aufwendigster Technik auf das Erkennen solcher Fälschungsversuche eingestellt. Der Laie kann jedoch ohne Hilfsmittel echt von gefälscht so gut wie nicht unterscheiden", so Struck. Die Echtheitstests der Pfandleiher reichen dabei von Säure- über Klangprüfungen bis hin zum Einsatz von Magnetwaagen, Röntgenfluoreszenz-Spektrometern und auch extrem teuren elektronischen Messgeräten.

Große Geschichte - gute Perspektiven für die Zukunft
Die Leihhäuser in Deutschland sind heute eine wichtige Säule im deutschen Kreditgewerbe. In Deutschland entstanden die ersten öffentlichen Leihhäuser im 17. und 18. Jahrhundert - in München zum Beispiel vor genau 260 Jahren im Jahr 1754.  Auch das Ulmer Leihhaus hat große Tradition: Es feiert 2014 seinen 50. Geburtstag.



*Basel III bezeichnet ein europaweit geltendes Reformpaket zur Regulierung des Bankwesens. Die verschärften Bestimmungen für das Bankwesen auch im Bereich der Kreditvergabe sind eine Reaktion auf die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise der letzten Jahre.
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